Tod und Verderben auf unseren Strassen

Im Jahr 2015 sind in der Schweiz 253 Menschen auf den Strassen gestorben. Das macht 30.7 Tote auf 1 Mio. Einwohnern (bei 8'237'000 Einwohner per 2016). Das sind etwas 20 Tote weniger als in der EU (2015: 51.5 Todesopfer auf 1 Mio. Einwohner, konstanter Wert über die letzten drei Jahre). In Deuschland lautet die traurige Bilanz auf 43 Tote auf 1 Mio. Einwohner. 

Nun scheint es sowohl in Europa wie in der Schweiz zu einer Trendwende zu kommen, nachdem in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der getöteten Personen deutlich gesenkt werden konnte.


Quelle: Bundesamt für Statistik 2014
Starb auf Schweizer Strassen 2014 alle 36 Stunden ein Mensch sank, dieser Wert 2015 nun wieder auf 34.6 Stunden. Das ist beunruhigend und auf jeden Fall bedenklich. Jeder Tote ist ein Toter zu viel.

In der EU geht man von sozialen Kosten von 100 Mia. Euro aus, die durch Tote und Verletzte auf Europas Strassen entstehen. Die EU hat sich deshalb das strategische Ziel gesetzt bis 2020 die Anzahl tödlicher Unfälle auf Strassen und öffentlichen Plätzen zu halbieren. Davon ist man vier Jahre vor Zielsetzung weit entfernt.  (Weiter führende Informationen zu Statistiken und Massnahmen zur Reduzierung der Verkehrsunfälle finden sich hier.) 
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die EU-Statistik die Erkenntnis liefert, dass die meisten tödlichen Unfäll auf dem Land und nicht auf Autobahnen oder Städten ereignen.

Zur Illustration der Entwicklung der EU-Staaten hier die Länderstatistik aus der EU Kommission:



Warum findet das Thema Eingang in meinen Blog?

Neben der Steigerung der Verkehrssicherheit, der Erhöhung der Strafverfolgung gewissenloser Verkehrsteilnehmenden usw. will die EU im zweiten Halbjahr 2016 einen Masterplan für die Einführung kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (ITS) für die wechselseitige Kommunikation zwischen Fahrzeugen bzw. Fahrzeugen und der Straßeninfrastruktur entwickeln. Ziel ist, die Automatisierung und ein besseres Verkehrsmanagement zu ermöglichen.


Intelligente Transportsysteme C-ITS

 C-ITS steht für Vernetztes und automatisiertes Fahren, ist also die Bezeichnung für eine Technologie die Fahrzeuge miteinander verbindet, und an die Infrastruktur und andere Teile des Verkehrsnetzes anschliessen soll. 

Zusätzlich zu dem was die Autofahrenden an Daten erkennen und verarbeiten müssen um unfallfrei von A nach B zu kommen, liefern neue Fahrzeugsensoren zusätzliche Informationen. Beides bilden in Zukunft Teile des Transportsystems, das zunehmend in der Lage sein soll die Entscheidungsfindung des Autofahrenden zu verbessern. Aber nicht nur Kollisionen sollen verhindert werden, sondern auch der Verkehrsfluss soll verbessert und damit Stauzeiten verringert werden. C-ITS soll die Plattform werden, von der aus sich eine Reihe von neuartigen Anwendungen entwickeln werden.

Die Europäische Kommission hat Anfang 2014 eine wichtigere Rolle bei der Bereitstellung von Connected Cars eingenommen und die C-ITS Deployment-Plattform vorbereitet. Die Plattform wurde als Kooperationsrahmen der nationalen Behörden, C-ITS Stakeholder und der Kommission konzipiert. Es handelt sich um eine gemeinsame Vision über den interoperablen Einsatz von C-ITS. Es gibt eine Reihe von C-ITS Real-Life-Pilotprojekte, finanziert im Rahmen der TEN-T und CEF, die neue ITS-Services für alle europäischen Verkehrsteilnehmer schaffen sollen. Im Rahmen dieser Projekte wird geprüft, wie Fahrzeug-zu-Infrastruktur und Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Interaktion durch den Einsatz sowohl mit kurzer Reichweite und zelluläre Kommunikation funktionieren soll.


Die Kommission wird nun den Masterplan für die Bereitstellung von C-ITS in der zweiten Hälfte 2016 bereitstellen.

Hier geht es zum finalen Report für die C-ITS Platform (3MB). 

Kommentar
Hier wird zweifellos ein Feld für disruptive Innovation geschaffen. Es braucht nicht all zu viel Fantasie um zu verstehen, dass eine derartige Plattform nur ein Vorspiel für selbstfahrende Autos darstellt. Alleine die rechtliche Komplexität lässt es wohl kaum zu, sofort ein neues Strassenregime ohne Autolenker geschaffen werden kann. So werden wir es erleben, dass wir vielleicht noch 10-15 Jahre als Autolenker gefragt sind, aber dann wird es einen quasi rollenden Übergang vom menschlich gelenkten zum roboterisierten Autofahren kommen. Ob es dann tatsächlich kaum mehr Verkehrstote geben wird, wird sich zeigen. Bis es soweit ist, werden alleine in der Schweiz noch mehr als 5'000 Menschen das Leben auf unseren Strassen lassen.

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