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Wie wir unsere Gesellschaft gestalten

Ich gehöre noch zu jener Generation, die vom Aufbruch der 68er-Genertion profitieren konnte. ich wurde in den 70ern und 80ern politisiert. In diesen zwei Dekaden herrschte die Überzeugung vor, dass jede und jeder an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken kann. ja, man sah und glaubte nicht nur, dass eine Demo oder ein Sit-In oder jede andere Form des konstruktiven Protests Wirkung erzielte. Nicht, dass das damalige Establishment eitel Freude gehabt hätte an uns Rebellen und Revolutionären - wo wir in Tat und Wahrheit doch nur bescheidene Reformer waren - es gab auch Ressentiments und nicht wenige reaktionäre Massnahmen durch die Staatsmacht. Man muss da nichts beschönigen. Doch der Lebensstil von damals war auf Aufbruch und Erneuerung ausgerichtet und es geschahen auch erfreuliche Dinge.

Irgend einmal war dann die Energie verpufft. Ich vermute, dass das in den 90er Jahren geschah, als sich eine Finanzkrise der anderen die Hand gab. Das forderte Opfer. Nur wer sich zum Beispiel in die Internet-Welt flüchten konnte, fand Stimmung und Willen neue Dinge zu erfinden und Fortschritte zu erzielen. 
Aber auch darin gab es Rückschläge. Die Internet-Blase des Jahres 2000 traf viele auf dem falschen Fuss. Wer es bis 2008 aushielt, bekam es dann mit dem finalen Zusammenbruch des Finanzsystems knüppelhart zu spüren. Die Globalisierung entwickelte neue Spielregeln des Wirtschaftens und hinterliess tiefe Spuren in der Mitte der Gesellschaften.

Und doch. Die Digitale Revolution trotz aller Widerwärtigkeiten weiter und heute sprechen wir von der Digitalen Transformation, der Industrie 4.0 - der vierten industriellen Revolution - die mit Sicherheit nicht so "harmlos" verlaufen wird wie alle vorhergehenden.

Zu prophezeihen, was auf uns zukommen wird, ist schwierig zu sagen. Es gibt viele Propheten. Einer der dieses Metier aber ganz gut im Griff hat, ist Andrew McAfee. 

Begegnet ist er mir zum ersten Mal mit dem heute praktisch als Standardwerk geltenden Buch zum Thema: Leading Digital
Ein weiteres viel beachtetes Buch sei hier empfohlen: "The Second Machine Age; Wie die nächste digitale Revolution unser Leben verändern wird".

Um Andrews McAfee's Denken erlebbar zu machen, hier ein TED-Video, das mir ein Freund im Zusammenhang mit der Diskussion rund um das bedingungslose Grundeinkommen zugänglich machte.


Im Verlaufe des Videos zeigt McAfee u.a. einige Grafiken Charles Murray, Coming Apart sowie öffentlich zugängliche Statistiken, die ich hier zeige und mit Kommentaren versehe.

GDP = Gross domistic product und bedeutet auf Deutsch das Bruttosozialprodukt BIP.

Die Kurve zeigt, dass die Wirtschaftsleistung der USA seit Kriegsende immer gewachsen ist und die Tendenz hat, weiter zu wachsen. Das heisst, dass alle Wirtschaftskrisen letztlich nicht dazu geführt haben, dass die US-Wirtschaft in dieser Zeitspanne geschrumpft wäre

Wer also hat von diesem Wachstum profitiert? Wie untenstehende Grafik zeigt: Die Unternehmen.

Verloren haben die Erwerbseinkommen.




Charles Murray zeigte nun anhand von Ted und Bill auf, wie sich das nun im Einzelnen auf die Bevölkerung ausgewirkt hat.



Ted ist der gute ausgebildete Manager, Doktor, Anwalt, Wissenschaftler, Professor, Content Produzent. Das also was wir gerne als die obere Mittelschicht bezeichnen.
Bill demgegenüber ist der Mann mit dem Blaumann, der Arbeiter oder der einfache Angestellte. Mittel und untere Mittelschicht.

Der Einfachheit halber sind Ted und Bill weisser Hautfarbe.

Bevor wir uns diesen beiden Typen näher annehmen, noch ein Blick auf die Grafik, die darüber Auskunft gibt, wofür das verdiente Geld ausgegeben wird. Es ist festzustellen, dass der Anteil an Nahrungsmittel (Selbstgekochtes), Auto, Kleider, Möbel und Haushaltbedarf kontinuierlich abgenommen hat. Die Produkte sind in der Betrachtungszeit nicht nur ständig vielfältiger geworden, sondern auch laufend billiger. Das ist für Ted eine sehr nette Tatsache. Ist sie es auch für Bill?



Wie untenstehende Grafik zeigt: eher weniger. Denn in derselben Zeit nahm die Arbeitszeit über alle gesehen permanent ab. Der Anteil von 40 Stunden arbeitenden Bill's ist dramatisch gesunken. Und damit natürlich auch die unmöglich erzielten Einkommen, um vom Wirtschaftswachstum überhaupt profitieren zu können.


Andersherum gesagt, die Summe der Männer wie Bill waren seit den 60er Jahren immer weniger in der Lage ihr Leben zu verdienen.





Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die soziale und gesellschaftliche Situation dieser Männer. Nicht einmal ein Drittel der Bill's sind im Vergleich zu den Ted's glücklich verheiratet.



Logisch, dass bei solchen Zivilständen auch die Kinder nicht mehr in "idealen" Familienverhältnissen leben können.
Betroffen sind letztlich nur die Kinder von Bill. Ted's Kinder leben nach dem bürgerlichen Prinzip in intakten Familien mit intakten Aussichten für ihre Zukunft.


Zu guter Letzt hilft auch die Analyse der Gefängnisinsassen zu verstehen, was insgesamt mit der Mittelschicht in den USA geschieht. Sie erodiert in die Armut und in die Tragik der Kriminalität. Die Bill's verbringen ihr Leben eher im Gefängnis, wo sie kaum auf Ted's stossen.


Wie gestalten wir unsere Zukunft? Mit unseren Idealen der 70er Jahre hat die hinter uns liegenden Dekaden und das heutige Ergebnis nun gar nichts mehr zu tun. Da ist Einiges schief gegangen oder liegt das Schiefgehen gar noch vor uns? Was sind unsere Ideen und Visionen? 

Meine Vorhersage  für die Schweiz sieht derzeit eher düster aus. Ich selber bin durch mindestens vier Neudefinitionen gegangen. Und die Schweiz?

Meine persönliche Digitale Transformation würde ich als gelungen betrachten. Nur bin ich nicht der Massstab für die ganze Gesellschaft. Zwar hat es die Schweiz seit ihrem modernen Dasein immer irgendwie geschafft am längeren Ende des Hebels der Veränderung zu sein.

Lange aber haben nicht alle Bevölkerungsschichten gleichsam zu Ansehen und Vermögen geschafft wie diejenigen denen wir bei der Tagesschau zusehen. Die Ausnahme bilden vielleicht die Glücklichen des HappyDays. Was uns bevorsteht, ist nicht mit den drei grossen Kriegen und ihren vor- und nachherigen Krisen zu vergleichen. Heute sind ganz andere Mächte am Werk als zu jeder anderen Zeit bevor. Zu hoffen ist, dass uns die heutige Zivilisation über die Distanz der nächsten Jahrzehnte rettet. Auch wenn wir Brandherden hilflos gegenüber stehen.

Der Mensch an sich hat sich dank der Technologie befreit. Nicht aber die Massen.

Wie also sollen und wollen wir unsere Gesellschaften gestalten?

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