Pokémon Go - Ein Brand ist ein Brand ist ein Brand

Was wir aus Sicht des Marketings exemplarisch von Pokémon Go lernen können ist, wie man den globalen Launch einer App und die Wahrscheinlichkeit ihres massiven Erfolges fertig bringt.

Alles ist Skaleneffekt!

Weil der Launch rasch in vielen Ländern erfolgt und der Brand jedes Kind und zwei, drei ältere Generationen dazu kennen, werden es Millionen Downloads sein müssen. Und weil es Millionen Downloads sind, spricht man schon kurz nach dem Erscheinen von einem gigantischen Erfolg.

Auffallend an dieser Grafik ist das Verhältnis zwischen iOS und Android. Ich lasse Pokémon Go auf einem Asus unter Android laufen. Die Batterie ist in zwei Stunden auf und davon... also die Ladung zumindest.



Ein Erfolg ist garantiert, weil die App sofort an die Spitze der Download-Charts springt. Ist ja klar. Und weil man die erste Ranking- Position im Ansatz erreicht, wird man dort auch eine lange Zeit verharren. Denn wir wissen: Erfolg erzeugt Erfolg.

Was das Ranking auch zeigt, ist die Positionierung von Snapchat. Es könnte sein, dass Snapchat den Rückzug antreten wird. Den Snapchat und Pokémon Go auf der selben Plattform bedeutet den Tod jese Smartphones. Wetten?

Auch auf der Aktienseite schlägt Nintendo zu. Binnen weniger Tage schlägt Nintendo Sony wertmässig aus dem Feld. Ein unglaublicher wirtschaftlicher Erfolg für eine kostenlose App.







Dabei ist Pokémon Go nicht einmal eine Entwicklung von der Pokémon Company selbst!



Nie egoistisch allein - Kooperation ist alles!

Das Entstehungsprinzip hinter der Erfolgsgeschichte ist schon etwas älter. Ich selber habe dasslebe Prinzip in den Jahren 2000 und 2001 angewandt. Meine Aufgabe war es damals für Swisscom Mobile Erfolgsgeschichten mit SMS und WAP zu schreiben. Statt selber ein Spielkonzept für SMS und WAP auf der grünen Wiese zu entwickeln, tat ich mich mit der damaligen erfolgreichen Moorhuhn-Firma Phenomedia zusammen und entwickelte mit ihr das welterste WAP-Game, einem Tamagotchi ähnlichen Konzept - das auch dem ursprünglichen Pokémon zu Grunde lag. Wir nannten es Moorhuhn-Rennen nannten. Ein leidlich guter Erfolg zu einem Zeitpunkt an dem vielleicht 10% der Bevölkerung erst begriffen hatten, dass man mit Handys online Gamen konnte.
Erfolgreicher war das SMS-Game, das wir zusammen mit dem Rechteinhaber an das "Wer-wird-Millionär?" anlehnten. Binnen neun Monaten machten wir damit in der Schweiz eine Million Franken Umsatz. Im ganz Kleinen eine Geldmaschine wie heute Pokémon Go.

Wenn man Skaleneffekte erzielen und dabei das Maximum herausholen will, dann geht nichts über eine absolut gescheite Kooperationsstrategie mit einem eben bereits eingeführten, weltweit bekannten Brand. Wenn dabei das Grundprinzip - hier ein Computergame - nahe am kern, am Original bleibt, dann muss es einfach funktionieren. Es bleibt am Anfang nur die Frage offen: Ist das Spiel so gut, dass es den ersten Early-Adapter-Erfolg überlebt?

John Hanke, Niantic

Das wurde hier auch praktiziert. Der Erfinder von Pokémon Go ist John Hanke, Chef der Firma Niantic, die Gamern bekannt ist für das Augemented Reality Game Ingress, das von Millionen gespielt wurde und wird. Darunter auch Tsunekazu Ishihara, dem Chef der Pokémon Company.
So war es für Hanke ein leichtes Spiel, Pokémon Go zusammen mit Nintendo zu entwickeln. Dass dabei die Erfahrungen aus Ingress, das technisch ganz ähnlich funktioniert wie Pokémon Go, eine entscheidende Rolle spielten, liegt auf der Hand.

Technisch ist Pokémon Go raffiniert angelegt, aber die App ist leider nicht oder noch nicht stabil. Entweder lädt sie langsam bis gar nicht oder sie friert einfach ein.
Zu spielen ist das Spiel sehr schnell. Das Spielprinzip einfach bis banal. Der Spassfaktor zweifellos vorhanden.

Konzeptionell liess sich John Hank in Wired verlauten, dass man drei Prinzipien gefolgt sei.


Körperliche Ertüchtigung: Die meisten Fitness-Apps seien nicht für Normalverbraucher gemacht sei. Pokémon Go lade ein, sich angemessen im Freien zu bewegen. 
Die Welt im realen entdecken: In der Tat und auf verblüffende Weise führt einen das Spiel an Orte, die man bisher achtlos passiert hat.
Das Eis brechen: Das Spiel bringt Gamer zusammen. Bereits finden Pokémon-Treffen statt, Auf Facebook gibt es z.B. bereits eine Gruppe namens Pokémon Go Solothurn. Man sieht auch in der Schweiz Einzelne oder vermehrt kleine Gruppen, die gemeinsam Pokémon's jagen. 




Und wie sie das tun und wie lange sie das tun. Keine andere App wird pro Tag länger genutzt.


Pokémon Go hat also einen Realitätsbezug und schafft, was bisher noch keine App geschafft hat, nämlich aus dem Stand zum Massenphänomen zu werden. Das eröffnet dem Marketing endlich die lange versprochenen neuen Möglichkeiten der Augmented Reality.
Man möchte fast wetten, dass Pokémon Go unter Umständen und in nicht allzu langer Ferne nicht nur Wahrzeichen erscheinen lässt, wo man Pokéballs und andere Gegenstände bekommt, sondern auch Geschäftsadressen, die Gutscheine oder andere Goodies verteilen. Willkommen in der realen Augmented Reality.

1996 erschien die erste Version von Pokémon (siehe Pokémon Wiki). 20 Jahre lang hatte Nintendo also Zeit, den Virus zu verbreiten, Generationen von Kids zu infizieren und mit dem Brand zu verknüpfen. Alleine 17 Spielfilme wurden im Kontext abgedreht. Vom sonstigen Merchandising keine Rede.

Sonderliche Dinge wurden in der sonst armen Nachrichtenzeit - abgesehen von den Vorkommnissen in der Türkei - bereits berichtet. Zahlreiche Landfriedensbrüche wurden begangen. Verkehrsunfälle wurden verursacht. von Liebesgeschichten war noch nichts zu lesen, wird aber kommen. Ein Mix also, der Kult verspricht. Wir bleiben am Ball.

Nicht so Saudia Arabia. Dort spricht man sich erneut gegen Pokémon aus, egal ob als Karten- oder Game-Boy-Spiel oder eben als App, siehe Independent. Reines Teufelszeug voller Darwin'scher Entwicklungslehre, christlichen und jüdischen Symbolen, nichts für die islamische Jugend.

Bloomberg heute morgen (Achtung: Bildaufbau dauert etwas länger, wird je nach technischer Umgebung nicht richtig dargestellt.)

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