Data Catcher Protection - Oder: Wie man die Datenfänger in den Roggen lockt - Eine Anleitung gegen Datenschnüffelei

Verstehen Sie mich bitte falsch. Ich meine es nicht lustig. Wie im Roman "Der Fänger im Roggen" einen schottischen Liedtext falsch versteht (siehe hier) und Kinder vor dem Absturz über eine Klippe bewahren will, will ich mithelfen, dass Sie, der oder die Lesende, nicht Opfer zu werden von den selber geschaffenen Datenbergen und zu verhindern, nicht darüber abzustürzen. Wir alle sind wirklich mehr als gefährdet. 

Eben wurde bekannt, dass Dropbox gehackt wurde und über 60 Mio. Nutzer betroffen sind. Das sind kriminelle Vorgänge, die uns zu fürchten Anlass geben müssen. Aber nicht nur die Kriminellen, auch die professionellen Datenfänger sind uns permanent auf den Fersen und sammeln auf Teufel komm raus unsere digitalen Fussabdrücke. Was mit dem gewonnenen "Datenschatz" alles angestellt wird, darüber berichte ich laufend unter dem Stichwort Big Data.
Aber nicht nur Private gehören zu der Spezies Datenfänger, sondern auch die Staaten. Das mag harmlos sein, solange der Geist der Freiheit und der Demokratie weht. Dreht aber der Wind in Richtung Radikalisierung und Diktatur, ist fertig lustig. Darüber können 40'000 türkische Bürger in diesen Wochen tragische Geschichten erzählen.


Nun könnte man sagen, gegen dieses Unwesen ist kein Kraut mehr gewachsen und man gibt jeden Widerstand auf und verhält sich so gut wie möglich leichtsinnig. Eine solche Haltung nennt man Fatalismus. Ich plädiere hingegen für einen Datenfänger-Schutz. Einen Selbstschutz. Selbstschutz basiert in der Regel auf Verhaltensmassnahmen.

Etwa weiss man, dass man in einer fremden Stadt dunkle Gassen meiden sollte. Oder dass man Menschenansammlung auf unbekanntem Terrain wie Demonstrationen grossräumig umgeht. Solche Dinge weiss man. Wie man aber grossen Datenfängern entgeht, dass weiss man noch nicht. Dieser Post will dazu beitragen, dass sich das ändert.


Das Ziel sollte es sein, einen sehr differenzierten und wo möglich komplexen Digitalen Fussabdruck herzustellen. Über die Jahre sollte das kein Problem darstellen. Das sicher nicht ein Allerweltsmittel, um komplett sicher vor Datenfängern zu sein, aber als Schnitzeljagd dient es und dürfte für etwelche Verwirrung bei den Data-Analysten sorgen.

Ich füge eine Liste mit Verhaltensempfehlungen an und will dieses Verhalten erklären. Ich bitte alle Lesenden, anschliessend zu kommentieren und ihr Wissen und Erfahrungen zu teilen. Ich werde den Post laufend anpassen, so dass am Ende eine Art Checkliste entsteht, die dazu dient  zu verstehen, wie man sich neben der allgemein bekannten Netikette auch sonst verhält und sich so vor nicht absehbaren Schäden bewahrt.


Die Gebote gegen Datenfänger

1. Gebot: Benutze verschiedene Passworte und ändere sie regelmässig.
2. Gebot: Benutze Screennames und selten deinen zivilrechtlichen Namen.
3. Gebot: Beschränke dich nicht auf eine Social Media Plattform, sondern nutze viele.
4. Gebot: Kommuniziere differenziert.
5. Gebot: Lege dir ein Verhaltenskodex und eine Verhaltensstrategie zurecht.
6. Gebot: Anonymisiere deine Dokumente in der Cloud und verwende mehrere Clouds.
7. Gebot: Produziere so viele Daten wie du kannst und scheue keine Transparenz.
8. Gebot: Verwende für deine Aktivitäten so viele Endgeräte wie du kannst.
9. Gebot: Achte darauf Email's von Unbekannten sofort zu löschen.
10. Gebot: Verwende verschiedene Antiviren-Software.
11. Gebot: Verzichte auf Linksammlungen auf deinen Endgeräten.
12. Gebot: Lösche regelmässig deine Cookies und deine Caches.
13. Gebot: Verzichte auf die Browser-Protokollierung
14. Gebot: Sammle deine Links auf einem anonymisierten Blog.
15. Gebot: Variiere deine Ausdrucksformen und deine Sprache.



Erläuterungen

1. Gebot: Benutze verschiedene Passworte und ändere sie regelmässig.
Immer wieder wird darauf aufmerksam gemacht, dass man seine Passworte nicht nur schützen, sondern auch auswechseln soll. Zudem sollte man keine Formel verwenden, um Passwörter leicht abzuändern. Dort wo möglich, soll man den Sicherheitscheck eines Passwortes machen. Verwende wo möglich immer alle Zeichen für ein Passwort.
Bedenke: Nicht immer werden Passwörter missbraucht, um Geld zu stehlen, sondern eben um direkten Zugang zu Daten zu erhalten. Das muss nie auffliegen und man wägt sich sicher.

2. Gebot: Benutze Screennames und selten deinen zivilrechtlichen Namen.
Screen-Namen sind sicher nur eine kleine Hürde, aber sie schützen einem vor allzu leichtem Anlegen von Lebensläufen durch Agenturen, die im Auftrag von Personalbüros Profile anlegen und Dinge mit einpacken, die mit der Sache, resp. der Stelle nichts zu tun haben. Bedecke und schütze dich dort, wo sich allerhand Leute bewegen und es nicht gut mit dir meinen. Wenn du nicht zu einem Dasein einer öffentlichen Person kommen willst, dann kommst du um einen Fantasienamen nicht herum. Es ist zulässig, sich anonym im Netz zu bewegen. Das bewahrt einem nicht vor Datenfänger, die von Gesetzes wegen Zugang zu der IP deines Endgerätes haben (Siehe auch 8. Gebot).

3. Gebot: Beschränke dich nicht auf eine Social Media Plattform, sondern nutze viele.
Ein Fünftel der Weltbevölkerung bewegt sich auf Facebook. Das ist gut für Marc Zuckerberg und seine Shareholders, hat aber keine Bedeutung für die Nutzer. Denn diese bewegen sich nicht über einen Kreis von ein paar hundert bis wenige tausend Menschen hinaus. Achte dich einmal, mit welchen Freunden du welche Themen behandelst. Realisiere, dass sich Wichtiges und wichtige Menschen in engem Rahmen bewegen. Erwäge eine eigene Social-Media-Plattform zu bauen oder deinen Kreis auf eine nicht von Facebook oder Google beeinflusste Plattform auszulagern. 

4. Gebot: Kommuniziere differenziert.
Analog zum 3. Gebot verwende nicht bloss WhatsApp zum Chatten mit deinen Freunden. Differenziere und bilde deine Communities in unterschiedlichen Apps ab. Beachte: Sowohl WhatsApp, Instagram und Messanger gehören zur Facebook-Familie. Datenaustausch ist garantiert. (Daten sind nicht bloss Telefonnummern und Namen, es sind Profile. Damit machen die Datenfänger Geld!).
Hier eine nicht vollständige Auflistung von Apps und Webseiten, mit denen man mit Menschen Face-to-Face oder in Gruppen chatten kann: Google+, Digg, IMO, LinkedIn, Messenger, Pinterest, 
Reddit, Skype, SnapChat, Stumbleupon, Threema, Telegram, Techorati, Twitter, Tumblr, Viber, Xing.
Dass man sein Kommunikationsverhalten nicht bloss auf eine Plattform konzentriert, sondern auf viele, wird den einzelnen Anbieter nicht freuen. Das aber ist nicht unsere Sorge, sondern unsere Genugtuung.



Fortsetzung folgt.

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