Siroop und alle anderen - E-Commerce Report Schweiz 2016

Laut Urs Schäppi, CEO der Swisscom, im CASH, ist man mit der Entwicklung von Siroop seit seiner definitiven Lancierung im Mai zufrieden, will aber dem Startup zwei Jahre Zeit geben um sich zu entwickeln. Dann wird Kassensturz gemacht. Schäppi rechnet mit einer längeren Durststrecke, bevor man sich mit Amazon vergleichen zu können.

Amazon schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Schweizer Detailhandel, der mit seinen Online-Plattformen nicht so richtig abheben will. Es ist ja auch kein Wunder, stecken doch traditionelle Händler so massiv in der Klemme, aus der es schier keinen Ausweg gibt. 

Amazon und viele andere Anbieter aus dem Ausland haben den Vorteil der ganz grossen Skaleneffekte und bieten ihre Ware weit unter dem Schweizer Preis an. Die Umkehrung, dass ein Schweizer Anbieter auch ins Ausland liefert, ist mir nicht bekannt. So kommt es, dass Schweizer Anbieter im Internet dieselben Preise für die Ware verlangen wie im Laden. Alles andere würde sie kannibalisieren. 

So stellt sich die grosse Frage, wie lange dauert es bis ausländische Anbieter den Detailshandelsmarkt der Schweiz zerstören?

Amazon hält einen Marktanteil von nur 8% in der Schweiz. Ob das genügt, um den Entscheid in der Schweiz einen Sitz zu etablieren und zum Next-Day-Delivery überzugehen, ist doch eher fragwürdig.

Eher dürfte passieren, dass der grösste Schweizer e-Commerce-Anbieter Digitec Galaxus mit 700 Mio. Umsatz im 2015 sein Spektrum weiter öffnet und statt das Geschäft weiterhin zu vertikalisieren hingeht und die Horizontalisierung anstrebt. So wäre Wachstum möglich und man würde Siroop in Schach halten, das angetreten ist, um eine Horizontalisierungsstrategie zu realisieren. Spannend wird sein wie lange MIGROS darauf verzichtet, Le Shhop und Digitec Galaxus zusammen zu führen.
Wie beim Digital Wallet TWINT und Paymit könnte es ja auch Sinn machen, wenn diese beiden grossen Akteure zusammenspannen und auf diese Weise Amazon und Co. im Schach hielten.
Doch wie bereits erwähnt, solange die Preise auf Online-Plattformen auf demselben Niveau angesiedelt sind wie im stationären Handel, wird der Schweizer Konsument sein Verhalten kaum verändern. Das konnte man schliesslich im Buchmarkt genauso beobachten. Nicht nur sinkende LeserInnen- Zahlen setzten der Buchhandelsbranche zu, sondern eben die billigeren Direktimporte ab Amazon und anderen.

Die Herausforderung ist die Logistik

Wie unter anderem, kann im E-Commerce-Report-Schweiz 2016 nachgelesen werden, wo neben der Preisproblematik der Hase sonst noch im Pfeffer liegt. Eben nämlich in der Logistik und der schwierigen topografischen, geografischen und gar sprachlichen Realität in der Schweiz. Hier eine Ware von A nach B zu bringen kann ein x-faches teurer sein, als ein gleich grosses Paket ab dem Logistikzentrum von Amazon irgendwo in Ostdeutschland. Das Problem ist die Feinverteilung. Nicht von Ungefähr pröbelt die Post Logistik an Alternativen zum Paketboten. Wenn die Kosten nicht runter gedrückt werden können, fallen Margen schwache Branchen gänzlich durch die Maschen. Diese wären dann definitiv das Einfallstor für ausländische Anbieter mit grösseren Märkten im Hintergrund.

Noch glaubt man hier und dort, man könnte die Konsumenten zu Abholstationen locken. Fragt sich dann, was das Motiv wäre, überhaupt Online zu bestellen, wenn ich mich so oder so verschieben muss. Damit wären wir wieder bei der Preisfrage.

Online-Marktplätze vs. Onlinewarenhäuser

Online-Marktplätze sind das was man als horizontaler Detailhandel versteht, während Online-Warenhäuser meistens aus der Spezialisierung, etwa wie BRACK, entstanden sind und dann mit dem Erfolg ihr Sortiment ausgeweitet haben in andere Bereiche.
Zu Onlinewarenhäusern entwickelten sich auch die Markenanbieter. In zwingender Logik aus dem Branding-Gedanken und dem dahingehende Aufbau von Marken-Communities, beugen sich die Markenhäuser immer mehr ihren Fans und bieten ihre Produkte in eigenen eShops an. Das war nicht immer so. Levi Jeans musste sich Ende der 90er Jahre so schnell vom Onlinemarkt zurückziehen wie sie als einer der ersten Brands sich anschickten, direkt an die Kunden zu verkaufen und zu liefern. Vor allem auf Druck des amerikanischen Detailhandels die 501 aus den Gestellen zu nehmen, liess Levis einknicken. Das hat sich seither grundlegend geändert und kaum eine Marke kommt noch ohne eigenen eShop aus. Man kann es bereits förmlich in unseren Einkaufsstrassen sehen wie gewisse Marken aus dem Strassenbild verschwinden. 



Quelle: E-Commerce Report Schweiz 2016

Treiber und Getriebene

Der e-Commerce-Report Schweiz 2016 - und seine Vorgänger - zeigt auf Grund von Experteninterviews auf, wer heute wo steht, wenn er noch steht. Der Einstieg von Swisscom/Coop mit Siroop, die Fusion Digitec Galaxus sowie die Übernahme von Ricardo durch Tamedia hat den Online-Markt Schweiz in Bewegung gebracht. Drei für Schweizer Verhältnisse Riesen, die sich in Zukunft diesen Markt wohl teilen und für kleine Anbieter wohl kaum viel Platz lassen. Ob sie der Marktmacht von Amazon, Zalando und den Markenhäusern widerstehen können, werden wir in den nächsten Jahren zu sehen bekommen.







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