Direkt zum Hauptbereich

Smartwatch Made in Switzerland - 1,2 oder 3?

Das, liebe Leserinnen und Leser, ist Marketing vom Feinsten. Jean-Claude Biver beherrscht Storytelling wie kein anderer mehr in der Schweiz. Ich bekenne mich nicht als Fan von Biver, er ist mir für sein Alter viel zu hitzköpfig, nervig und irgendwie auch besserwisserisch. Diese subjektive Wahrnehmung muss nicht der Wahrheit entsprechen. Aber so kommt Biver bei mir an und meine, dass das nicht nötig wäre. Zu genial und zu gut positioniert sich Biver mit seiner TAG Heuer Smartwatch. Er und seine Mitarbeiter haben begriffen, was da abgeht in der Welt der Wearables. 

Und offenbar zahlt es sich aus, innovativ zu sein und Risiken einzugehen. TAG Heuer jubelt über steigende Umsätze, auch dank der TAG Heuer Connected Watch. Logisch, profitiert die Marke auch sonst. Wer erfolgreich mitmischt an der Digitalen Front, macht auch sonst gute Produkte.

Wäre mir die TAG Heuer Connected Watch nicht als Uhr zu teuer, ich besässe längst eine. Mehr als für eine Apple Watch habe ich nie bezahlt für einen Handgelenkbeschwerer. Aber ich verstehe auch die Preissetzung von Biver. Billiger wäre zu billig für den Brand und würde das Gefüge stören. Solange die Reichweite von TAG Heuer beschränkt ist, können sie daran nicht rütteln. Das ist alleweil gescheiter als Abseits zu stehen und Apple auszulachen.


Apple hat sich seit dem Launch ihrer Apple Watch an die zweite Stelle hinter Rolex als "Zeitmesser" positioniert. Derweil bricht die Schweizer Uhrenindustrie wieder einmal zusammen, weil ihr Klumpenrisiko China voll zum Tragen gekommen ist. Korrupt ist dieses Geschäftsgebahren nicht nur darum, weil die Produkte als Bestechungsmittel im grossen Stil missbraucht wurden und die Schweizer davon unverschämt profitierten, sondern weil es Innovationen, die es in den Uhrenateliers gab und sicher immer noch gibt, im Keim erstickt. Margenargumente gegen Innovationsrisiken und dabei Zigarren paffen, das ist alles andere als motivierend.

Was macht jetzt die Firma Swatch mit ihrer schwierigen Tochter ETA? Schafft man die Digitale Transformation und wird das produzieren was der Markt in Zukunft will? Statt Quarzwerke "Digitaler Herzschlag", der für alle zukünftigen Wearables benötigt werden? Schafft die Swatch den Turnaround und ersetzt die alte Poleposition der Quarzwerke und findet die neue Schlüsselrolle in der smarten Zukunft?

Wäre ich im Verwaltungsrat der Swatch, ich würde augenblicklich eine Dependence im Silicon Valley errichten und jeden anheuern, der mir weismachen könnte etwas von der Technologie der Wearables zu verstehen. Zielsetzung wäre binnen der nächsten fünf Jahre die ETA umzubauen und so zu positionieren, dass keiner mehr an ihr vorbei kommt, wenn er ein smartes Teil am Körper des modernen Menschen anbringen will.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Customer Journey - Mehr als ein Buzzword im Online Marketing

Die Customer Journey beschreibt den Prozess, den der Kunde vom Kaufimpuls bis hin zum Kaufabschluss - und wohl auch darüber hinaus - entlang den Kontaktpunkten des Anbieters, dem Brand, und dessen Produkten und Dienstleistungen durchschreitet.

Wie folgende Darstellung klar macht, steckt hinter dem Begriff eine ungeahnte Komplexität. Die Anforderung an die Unternehmen ist erdenklich hoch und verlangt eine Prozessorganisation.

Bitter vielleicht der Hinweis, dass je schmerz- und reibungsloser der Kunde den ganzen Prozess erlebt, desto perfekter ist im Hintergrund die Customer Journey organisiert.









































Als Hauptbegriffe des Customer Journeys tauchen folgende Worte auf:

Awarness = Ausmerksamkeit
Consideration = Abwägung
Intent = Absicht
Purchase = Kauf
Support
Loyality = Treue
Advocacy = Fürsprache

Wie so oft, werden Begriffe und Buzzwords mehrfach interpretiert und umdefiniert. Entscheidend ist zu verstehen, dass mit Customer Journey jede Phase betrifft während der ein Kunde mit einer Unternehmun…

PostAuto AG PubliBike AG - So lanciert man kein neues Produkt

Fast den ganzen langen Sommer 2018 kam PubliBike AG nicht aus den Schalgzeilen. Grund waren die offensichtlich leicht mit einem Smartphone zu knackenden Schlösser der eBikes der PostAuto AG. Waren es zuerst vorallem in Bern zahlreiche Fahrräderschlösser, die genackt wurden, folgten auch entsprechende Meldungen aus Zürich. PubliBike musste die ganze Flotte zur Nachrüstung einziehen und die Lancierung verschieben. Nicht gerade ein vertrauensfördernder Vorgang. Betrifft es nicht das eBike selber, so stellt sich die Frage, ob der Anbieter das Geschäft, sprich die Fahrzeugtechnik im Griff hat oder ob auch da Mängel auftreten werden? Keine günstige Ausgangslage, dass die Mietvelos auch sofort rege genützt werden.
Sicher haben die Produktverantwortlichen nicht die Absicht gehabt, PubliBike erst im Herbst zu lancieren, wenn es bisher auch ein wirklich verlängerter Sommer ist. (By the way:bei der Abfassung dieses Posts zeigte das Thermometer um 16:20 h 27° C an.) Möglicherweise wäre es klüger …

Wie Amazon eCommerce und Onlinemarketing aufmischt

(Liveblog aus dem Internet-Briefing vom 3. Oktober 2018)

Fabian Serger, Team Manager SEA, von der Firma Webrepublic AG erklärt Amazon Advertising.
Er zieht Vergleiche zwischen eCommerce in der Schweiz mit der internationalen Entwicklung als Einstieg in sein Referat.

Da wo sich Kunden informieren!
- auf der Händlerseite
- Preisvergleich-Seiten
- Suchmaschinen, Google als Nr. 1 mit über 90% Marktanteil in der Schweiz
- Google-Shopping als dominanter Kanal, ziemlich ähnlich wie bei Amazon

Wo suchen die USA-Konsumenten?
Amazon konkurriert Google bereits 2016 massiv mit über 60% Anteil.
Amazon hat über 488 Mio. Produkte auf der Webseite und hat über 300 Mio. Kunden. Amazon wächst weltweit. Der Amazon Ad Revenue erzielte bereits im Q2 2.4 Mia. $ Umsatz. Geschätzt wird bis Ende Jahr mehr als 10 Mia. Es findet gegenwärtig ein Media-Shift statt.

Die Zukunft heisst Retail Media.

Amazon kommt mit 300 Mio. Produkte in die Schweiz und streben einen Umsatz von 2.5 Mia. CHF an. Dafür arbeitet Amazon…